Wie kann Psychotherapie mir helfen?
Eine Therapie hilft nicht nur dabei, das Essverhalten zu normalisieren, sondern vor allem dabei, sich selbst besser zu verstehen, Risikofaktoren zu erkennen und gesunde Verhaltensweisen zu erlernen. Das kann Ihnen helfen wieder mehr Sicherheit, Freiheit und Lebensqualität zu gewinnen.
Wenn Psychotherapie noch nicht das richtige ist; weitere Anlaufstellen für Angehörige und Betroffene in Hamburg sind z.B. Waage e.V. und sMUTje
1. Erst einmal: ankommen und verstanden werden
Am Anfang steht fast immer:
- ein geschützter Raum, in dem Sie offen sprechen dürfen
- jemand, der zuhört, ohne zu bewerten
- gemeinsam herausfinden: Was belastet mich gerade am meisten?
Viele Patient*innen erleben hier zum ersten Mal:
„Ich muss mich nicht rechtfertigen. Ich werde ernst genommen.“
2. Schrittweise Stabilisierung von Essen und Körper
Ein wichtiger Teil der Therapie ist, dem Körper wieder Regelmäßigkeit und Sicherheit zu geben.
Das kann bedeuten:
- gemeinsam Essenszeiten und -mengen aufzubauen
- Angst vor bestimmten Lebensmitteln zu verringern
- körperliche Folgen der Essstörung zu beobachten (z. B. Kreislauf, Energie, Konzentration)
Ziel ist nicht Zwang, sondern: Der Körper darf wieder zur Ruhe kommen.
3. Gedanken und innere Regeln verstehen und verändern
Essstörungen bringen oft sehr harte innere Stimmen mit sich:
- „Ich darf nur essen, wenn …“
- „Ich bin nur wertvoll, wenn ich …“
- „Ich habe die Kontrolle verloren.“
In der Therapie können Sie lernen:
- diese Gedanken zu erkennen
- zu prüfen, ob sie wirklich stimmen
- neue, freundlichere und realistischere Sichtweisen zu entwickeln
4. Gefühle wahrnehmen und anders mit ihnen umgehen
Viele Essstörungen helfen kurzfristig, mit schwierigen Gefühlen umzugehen (z. B. Angst, Leere, Überforderung).
Therapie hilft Ihnen:
- Gefühle besser wahrzunehmen
- sie auszuhalten, ohne Bestrafung
- neue Wege zu finden, sich zu beruhigen oder zu schützen
Essen oder Nicht-Essen muss dann nicht mehr die einzige Lösung sein.
5. Beziehung zu dir selbst und zu anderen stärken
Mit der Zeit geht es auch um:
- Selbstwert und Selbstmitgefühl
- Körperbild verändern
- Grenzen setzen und Bedürfnisse äußern
- Scham und Schuldgefühle abbauen
- wieder mehr Nähe und Vertrauen zuzulassen
6. Rückfälle verstehen
Therapie bedeutet nicht, dass alles sofort „perfekt“ läuft.
- Rückschritte können passieren
- sie werden nicht als Scheitern, sondern als Signal verstanden
- gemeinsam wird geschaut: Was hat mir gerade gefehlt?
