Welche Essstörungen gibt es?
Wie kann Psychotherapie mir helfen?
1. Anorexia nervosa (Magersucht)
Dabei handelt es sich um eine Essstörung, die sich vor allem um Restriktion, Untergewicht, Aussehen und Kontrolle dreht. Häufig ist das Körperbild stark verzerrt, was die Angst vor einer Gewichtszunahme zusätzlich verstärkt. Daraus entsteht ein Teufelskreis aus exzessivem Hungern, intensivem Sporttreiben und selbstbestrafendem Verhalten aufgrund wahrgenommener Unzulänglichkeiten.
Zusätzlich gibt es atypische Formen der Anorexie, zum Beispiel ohne bestehendes Untergewicht, sowie Ausprägungen mit Essanfällen und/oder selbstinduziertem Erbrechen.
Typisch ist:
- stark eingeschränktes Essen oder extremes Hungern
- Alltag dreht sich um Mahlzeitenplanung und Sport
- Vermeidung von ,,fettmachenden“ Lebensmitteln
- massive Angst vor einer starken Gewichtszunahme, trotz Restriktion
- verzerrte Körperwahrnehmung („Ich bin noch zu dick“, obwohl andere etwas anderes sehen)
- Bodychecking
- oft viel Kontrolle, Perfektionismus, Angst
- keine Periode/Erektionsstörungen
2. Bulimia nervosa (Bulimie)
Bei einer Bulimie bestehen starke Sorgen um Aussehen und Gewicht, jedoch wird meist deutlich weniger gehungert als bei einer Anorexie. Charakteristisch ist ein Wechsel zwischen Essanfällen und kompensatorischem Verhalten wie Erbrechen, der Einnahme von Abführmitteln oder exzessivem Sport. Zusätzlich treten kurze Hungerphasen auf, die häufig als Ausgleich für die Essanfälle dienen.
Essanfälle können zwischen etwa zehn Minuten und mehreren Stunden andauern. In dieser Zeit werden große Mengen meist hochkalorischer Lebensmittel verzehrt, begleitet von einem Gefühl des Kontrollverlusts und ausgeprägter Scham im Anschluss. Häufig erfüllen die Essanfälle eine Funktion der Emotionsregulation und führen währenddessen zu einer vorübergehenden Milderung alltäglicher Sorgen, Ängste oder Probleme.
Typisch ist:
- tlw. tägliche Essanfälle (in kurzer Zeit sehr viel hoch-kalorisches essen, Gefühl von Kontrollverlust)
- danach z. B. Erbrechen, Abführmittel, extremes Sporttreiben oder Fasten
- starke Scham- und Schuldgefühle
- große Sorgen über Aussehen und Gewicht
- Gewicht oft im Normalbereich → die Erkrankung bleibt oft lange unbemerkt
3. Binge-Eating-Störung
Ähnelt der Bulimie jedoch zeigen sich hier Essanfälle ohne Gegenmaßnahmen wie Erbrechen.
Typisch ist:
- häufige Essanfälle mit Kontrollverlust
- Essen oft sehr schnell oder bis zu starkem Unwohlsein
- Schuld, Ekel oder Traurigkeit danach
- oft starke Gewichtszunahme, aber nicht jede betroffene Person ist übergewichtig
4. ARFID – Avoidant/Restrictive Food Intake Disorder
Diese Essstörung ist geprägt von starken Ekel oder Angst vor Lebensmitteln (Geruch, Geschmack und Textur) oder der Angst vorm verschlucken oder erbrechen. Häufig beginnt ARFID im Kindesalter, kann aber auch Erwachsene betreffen.
Typisch ist:
- sehr eingeschränkte Lebensmittelauswahl
- Angst/Ekel vor bestimmten Konsistenzen, Gerüchen oder dem Verschlucken
- wenig Appetit oder Desinteresse am Essen
- mögliche Mangelernährung oder Gewichtsverlust
5. Andere nicht näher bezeichnete Essstörungen
Manche Menschen leiden stark unter ihrem Essverhalten, erfüllen aber nicht alle Kriterien einer der oben genannten Diagnosen.
Zum Beispiel:
- regelmäßiges Erbrechen ohne Essanfälle
- nächtliche Essanfälle
- sehr starkes „kontrolliertes“ Essen mit großer seelischer Belastung
